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Tabu-Thema "Schäden durch Handy-Strahlung"?
Ein kürzlich in der Zeitschrift „Message (1/2007) veröffentlichter Artikel kommt zu der Schlussfolgerung, dass „kritische Beiträge über Gesundheitsrisiken von Handys und Funkmasten schlechte Aussichten auf Veröffentlichung“ in den Medien hätten. Grund dafür, so der Autor (Uwe Krüger, Leipzig), sei eine geschäftliche Nähe vieler Medien zur Mobilfunkindustrie. Lesen Sie dazu die folgende Pressemitteilung des Verlags, ergänzt um eine Stellungnahme von uns:
Tabu-Thema "Schäden durch Handy-Strahlung"
Deutsche Leitmedien unterdrücken das Thema „Gesundheitsgefahren durch Mobilfunk“. Wie die Internationale Fachzeitschrift „Message“ in ihrer neuen Ausgabe berichtet, hat es in den vergangenen Jahren Fälle interner Zensur bei der Süddeutschen Zeitung, dem Spiegel, im Mitteldeutschen Rundfunk und im Bayerischen Rundfunk gegeben. Vieles deutet auf indirekte Einflussnahme durch die Mobilfunkindustrie hin. Weitere wichtige Medien wie Bild, dpa und ZDF, die ebenfalls das heikle Thema so gut wie aussparen, sind über Kooperationen und Geschäfte mit den Mobilfunk-Netzbetreibern verbunden.
Drei Beispiele:
Im vergangenen Dezember strahlte der MDR einen Dokumentarfilm über einen US-Wissenschaftler aus, der herausgefunden hatte, dass bei Vieltelefonierern das Risiko von DNA-Schäden und Hirntumoren stark erhöht ist. Der Film lag ein Jahr lang in der MDR-Schublade, schließlich wurde er zum morgendlichen Sendetermin um 10.35 Uhr gesendet, gekürzt von 45 auf 30 Minuten. Der MDR nannte mangelnde Qualität als Grund für Verzögerung und Kürzung. Dies verwundert, denn der Film wurde vom französischen Sender France 2 ungekürzt in der Prime-time gesendet.
Der Bayerische Rundfunk organisierte eine Informationsveranstaltung für seine Redakteure. Einen halben Tag lang wurden die Zuhörer mit der beruhigenden Sicht der Netzbetreiber eingedeckt. Eingeladen hatte der Technische Direktor des BR, Herbert Tillmann, der zusammen mit Vertretern von Mobilfunkindustrie und Bundeswirtschaftsministerium im Vorstand des Vereins „Forschungsgemeinschaft Funk“ sitzt - eine Lobby-Organisation im Interesse der Netzbetreiber. Es wurden keine Referenten geladen, die abweichende Informationen zum Thema Funknetze und Gesundheit hätten bieten können.
In der Süddeutschen Zeitung wurde dem Lokalredakteur Thomas Grasberger im März 2001 ein kritischer Artikel über Funkmasten-Opfer in München umgeschrieben, ohne ihn zu informieren. Grasberger kündigte daraufhin und schrieb zusammen mit SZ-Redakteur Franz Kotteder das Buch „Mobilfunk – Ein Freilandversuch am Menschen“ (2003). Darin decken die Autoren Verquickungen zwischen Mobilfunkindustrie, Politik und Wissenschaft auf . Diese Erkenntnisse waren in der Süddeutschen Zeitung nicht gefragt. Eine ähnliche Erfahrung machte beim Spiegel Wirtschaftsredakteur Klaus-Peter Kerbusk, der 2001 für eine geplante Titelgeschichte recherchierte, die nie erschien. Offenbar ist die Marktmacht der Mobilfunkfirmen wie T-Mobile, Siemens, Vodafone und E-Plus auf dem Werbemarkt so groß, dass kritische Informationen unterdrückt werden. Auch sind die Netzbetreiber vielfältig mit Medien verflochten: Etwa T-Mobile und Bild über das Portal Bild.T-Online.de und die dpa über ihre Multimedia-Tochter dpa-infocom GmbH, die in Kooperation mit Netzbetreibern Handy-kompatible Nachrichten produziert."
Quelle: Internationale Zeitschrift "Message", www.message-online.com, (c) Message
Stellungnahme der AG Bioethik und Wissenschaftskommunikation
Dieser Artikel ist sauber recherchiert und ein gutes Beispiel für eine kritische Berichterstattung zum Thema. Viele Schlussfolgerungen, die der Autor zieht, sind gut begründet. Dennoch treffen einige, für die Aussage des Beitrages zentrale Äußerungen nicht zu. So wird unter dem Stichwort „strategische Desinformation“ behauptet, die Forschungssituation sei mit mehreren tausenden von Studien „unübersichtlich“. Dies gilt (in viel geringerer Dimension) allenfalls für gesundheitliche Wirkungen aller elektromagnetischen Felder, von denen die Strahlung im radiofrequenten Bereich (einschliesslich Basis- und Orbitstationen) nur einen Teil umfasst. Die überwiegende Mehrzahl der bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen zum Mobilfunk besagt, dass es bei den momentan geltenden Grenzwerten kein Risiko für die Entwicklung von Tumoren durch elektromagnetische Felder gibt. Es gibt zum Thema aber immer noch erhebliche Wissenslücken und somit Forschungsbedarf.
Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass es sich hierbei um ein in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiertes Thema handelt.
Was sagen die Besucher und Besucherinnen unserer Website dazu? Gehören hochfrequente elektromagnetische Felder, wie sie bei der Benutzung von sog. Handys oder von deren Basisstationen auftreten, Ihrer Meinung nach zu den gesundheitlichen Risikofaktoren (etwa für Entstehung und malignes Wachstum von Tumoren)?
Werden nach Ihrer Wahrnehmung Informationen, die eine Gesundheitsgefahr durch elektromagnetische Felder des Mobilfunks belegen, tatsächlich unterdrückt?
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